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Feudalsozialistische Dienstfahrt

29. Juli 2009 01:04

Das steht mir zu — wir erlau­ben uns das!

Wir alle haben zum Glück keine Ahnung wel­che Pri­vi­le­gien Poli­ti­ker sich selbst gewäh­ren. Das war frü­her bei „Königs“ schon so und in der Demo­kra­tie erst recht. Es ist bes­ser das alles nicht im Detail zu ken­nen, wir alle sind auf den sozia­len Frie­den angewiesen.

Ulla Schmidt nahm angeb­lich recht­lich ein­wand­frei einen Dienst­wa­gen am Urlaubs­ort in Anspruch. Genauer gesagt ließ sie sich nach Spa­nien chauf­fie­ren, um dort in aller Ruhe ihren Urlaub ver­brin­gen zu kön­nen. Stress bei den An– und Abreise ver­mei­det sie halt gerne und man möchte am Urlaubs­ort unge­bun­den und fle­xi­bel sein. Der ganze Urlaub war also nichts wei­ter als eine Dienst­reise, denn Frau Schmidt hatte in der Nähe des Urlaubs­or­tes zwei dienst­li­che Ter­mine. Eine Rede hier, ein Tref­fen mit spa­ni­schen Kol­le­gen dort und schon sind die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen erfüllt, meint zumin­dest die Minis­te­rin. Und außer­dem sagt sie: „Das steht mir zu“. Gemeint ist ein Dienst­wa­gen im Urlaub.

Zudem sei es die kos­ten­güns­ti­gere Ver­sion für den Steu­er­zah­ler, argu­men­tiert Schmidt und rech­net ihr Pri­vi­leg so klein es geht. Für sie war das ganz sicher güns­tig. Mit 500 Euro Ben­zin­kos­ten ist Ulla dabei. Der Steu­er­zah­ler muss gerade ein­mal knappe 10.000 Euro dafür berap­pen. Ein Schnäppchen-preis!

Ein Ziel­ort lag gerade mal 8 Kilo­me­ter vom Urlaubs­ort ent­fernt. Der zweite immer­hin bereits statt­li­che 27 Kilo­me­ter. Es ist sicher sofort nach­voll­zieh­bar, für Dienst­fahr­ten am Urlaubs­ort, die sich auf 70 Kilo­me­ter addie­ren, darf man kos­ten­güns­tig 5000 Kilo­me­ter für An– und Abreise in Kauf neh­men und oben­auf auch noch den Fah­rer wäh­rend der gesam­ten Urlaubs­zeit güns­tig unterbringen.

Das war die für den Steu­er­zah­ler kos­ten­güns­tige Ver­sion der Minis­te­rin, eine glatte Lüge. Und eben diese Lüge soll­ten wir ihr und der SPD nicht durch­ge­hen las­sen. Neh­men wir an, die Dienst­reise war recht­lich nicht zu bean­stan­den, was aller­dings noch zu prü­fen ist, dann ist eine Aus­sage wie „Das steht mir zu“ doch nichts wei­ter als Anspruch einer ille­gi­ti­men Leis­tung, weil die for­ma­len Vor­aus­set­zun­gen, die man selbst geschaf­fen hat, erfüllst sind. Wenn Bän­ker auf die Aus­zah­lung ihrer fet­ten Boni beste­hen, ist die SPD die erste auf den öffent­li­chen Podien der Empö­rung. Dann sind solch recht­lich ein­wand­freie Vor­gänge „kaum zu ertra­gen“, „empö­rend“ usw..

Zei­tun­gen berich­ten, dass wei­tere vier SPD-Minister ihre Dienst­wa­gen im Urlaub benutz­ten: Arbeits­mi­nis­ter Scholz, Jus­tiz­mi­nis­te­rin Zypries, Ver­kehrs­mi­nis­ter Tie­fen­see und Ent­wick­lungs­hilfe­mi­nis­te­rin Wieczorek-Zeul.

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